08.09.2026

Forward Deployed Engineers

Warum die KI-Branche wiederentdeckt, worauf es im Enterprise Engineering schon immer ankam
gft-contacts-marco-santos.png
Marco Santos
Global CEO & Geschäftsführender Direktor
blogAbstractMinutes
blogAbstractTimeReading
GFT helps organizations accelerate digital transformation with AI, cloud, data, and modern technologies. Combining industry expertise with innovative solutions, GFT enables productive digital experiences, smarter operations, and sustainable business growth.
KI
Business Trends
2026
Blog
contact
share
Während die Branche verstärkt darauf setzt, Entwickler eng in die Arbeit mit Kunden einzubinden, gewinnt Forward Deployed Engineering zunehmend an Bedeutung. Doch hinter der neuen Rollenbezeichnung steckt eine altbekannte Erkenntnis: Technologie kann vor allem dann grundlegende Veränderungen bewirken, wenn Entwicklung und unternehmerische Praxis zusammenkommen.

Im vergangenen Jahr ist mir etwas Ungewöhnliches aufgefallen. Unternehmen, die bei KI-Modellen, Cloud-Plattformen und Entwickler-Ökosystemen intensiv miteinander konkurrieren, erzählen plötzlich erstaunlich ähnliche Geschichten.

OpenAI baut rund um Forward Deployed Engineers (FDE) ein neues Modell für die Implementierung von KI auf. AWS investiert eine Milliarde US-Dollar, um KI-Entwickler direkt in Kundenunternehmen einzusetzen. Anthropic baut seine Kapazitäten im Applied Engineering aus. Microsoft wiederum hat einen eigenen Geschäftsbereich geschaffen, der sich auf ein neues, KI-zentriertes Delivery-Modell konzentriert.

Unterschiedliche Unternehmen. Unterschiedliche Strategien. Unterschiedliche Technologien. Und doch setzen sie im Kern alle auf dasselbe Prinzip: Entwicklung näher an den Kunden zu bringen. Neu ist dieses Modell allerdings nicht. Palantir hat die Rolle des Forward Deployed Engineer bereits vor mehr als einem Jahrzehnt bekannt gemacht. Neu sind jedoch die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit denen die KI-Branche diesen Ansatz nun aufgreift.

Der entscheidende Engpass liegt heute an anderer Stelle

In den vergangenen zwei Jahren drehte sich die Diskussion über KI vor allem um die Leistungsfähigkeit der Modelle. Heute stellen Führungskräfte eine andere Frage: Wie können wir diese Modelle zuverlässig in unserem Unternehmen einsetzen? Basismodelle sind bereits heute leistungsfähig genug, um eine enorme Bandbreite an Anwendungsfällen in Unternehmen zu unterstützen.

Die eigentliche Herausforderung beginnt, sobald sie das Labor verlassen: Lassen sie sich sicher in einer globalen Bank einsetzen? Können sie in über Jahrzehnte gewachsene Legacy-Systeme integriert werden? Erfüllen sie die Anforderungen von Regulierungsbehörden, Wirtschaftsprüfern und Risikomanagement? Und können sie tatsächlich Teil alltäglicher Entscheidungsprozesse werden, anstatt lediglich in beeindruckenden Demonstrationen zu überzeugen?

Der Wettbewerbsvorteil liegt nicht mehr im KI-Modell selbst. Entscheidend ist die Fähigkeit, KI sicher zu implementieren, wirksam zu steuern und damit messbare Geschäftsergebnisse zu erzielen. Die Implementierung von KI wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsfeld.

Entwickler werden zu Business-Architekten

Diese Entwicklung verändert auch die Rolle von Entwicklern. KI-Systeme sind keine deterministischen Anwendungen mehr, die lediglich vordefinierte Anweisungen ausführen. Sie können Schlussfolgerungen ziehen, Inhalte generieren und zunehmend selbstständig handeln.

Damit sind Entwickler längst nicht mehr nur dafür verantwortlich, Code zu schreiben. Sie müssen Evaluierungsframeworks entwickeln, Grenzen für autonomes Handeln definieren, Governance von Anfang an in die Systeme integrieren und regulatorische Anforderungen ebenso selbstverständlich verstehen wie Softwarearchitekturen. Genauso wichtig ist jedoch, dass sie das Geschäft verstehen.

Ein KI-Agent, der bei der Betrugserkennung oder Kreditprüfung unterstützt, automatisiert nicht einfach nur einen Prozess. In ihm spiegeln sich geschäftliche Entscheidungen, die Risikobereitschaft eines Unternehmens und regulatorische Anforderungen wider. Entwickler bauen also nicht länger nur Software für das Geschäft. Sie entwickeln KI-Systeme, die abbilden, wie ein Unternehmen arbeitet, Entscheidungen trifft und Risiken steuert. Genau das macht sie zu Business-Architekten und erklärt, warum Forward Deployed Engineers für den Einsatz von KI in Unternehmen immer wichtiger werden.

“

Damit sind Entwickler längst nicht mehr nur dafür verantwortlich, Code zu schreiben. Sie müssen Evaluierungsframeworks entwickeln, Grenzen für autonomes Handeln definieren, Governance von Anfang an in die Systeme integrieren und regulatorische Anforderungen ebenso selbstverständlich beherrschen wie die Softwarearchitektur. Ebenso entscheidend ist, dass sie das Geschäft verstehen.

Marco Santos
Global CEO, GFT Technologies

Enterprise Engineering hat schon immer so funktioniert

Für GFT bestätigt diese Entwicklung eine Erfahrung, die wir bei der Umsetzung von Technologieprojekten in stark regulierten Branchen immer wieder gemacht haben: Die eigentliche Herausforderung bestand nie darin, Technologie zu entwickeln. Entscheidend war schon immer, dass sie dort funktioniert, wo es wirklich darauf ankommt: im produktiven Einsatz.

Seit Jahrzehnten arbeiten wir eng mit globalen Banken, Versicherern und Finanzmarktinfrastrukturen zusammen. Dabei war die Implementierung nie der einfache Teil. Erfolg wurde nie an der Qualität eines Prototyps gemessen, sondern immer daran, was nach dem Go-live passiert: Werden die Systeme akzeptiert und als verlässlich wahrgenommen? Erfüllen sie die Governance-Anforderungen? Werden sie fester Bestandteil des täglichen Betriebs? Genau deshalb arbeiten unsere Entwickler seit jeher eng mit unseren Kunden zusammen. Sie setzen nicht einfach nur Vorgaben um, sondern verstehen die Geschäftsprozesse, regulatorischen Rahmenbedingungen und operativen Anforderungen.

In vielerlei Hinsicht beschreibt das, was die Branche heute als Forward Deployed Engineering bezeichnet, genau die Art und Weise, wie Enterprise Engineering in regulierten Branchen schon immer funktionieren musste.

Kompetenzen im Unternehmen aufbauen

Ein aktuelles Projekt mit einer großen europäischen Bank zeigt sehr gut, was das in der Praxis bedeutet. Unser Ziel war es, Agentic AI in komplexen Kernprozessen des Kreditrisikomanagements einzusetzen, darunter die Erstellung von Kreditvorlagen, die Modellvalidierung, Stresstestanalysen und die Bewertung von Portfoliorisiken. Schnell wurde deutlich, dass die schwierigsten Fragen weder die Modelle noch die Prompts betrafen. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Governance: Wie autonom dürfen KI-Agenten handeln? An welchen Stellen muss die menschliche Kontrolle zwingend erhalten bleiben? Und wie müssen Entscheidungen von Modellen dokumentiert werden, damit sie regulatorischen Anforderungen entsprechen?

Gemeinsam mit den Fach-, Entwicklungs- und Risikoteams der Bank haben wir nicht nur eine konfigurierbare Multi-Agenten-Plattform und intelligente Workflows entwickelt, sondern auch wiederverwendbare Governance-Frameworks, Autonomiestufen und Architekturmuster geschaffen, die als Grundlage für künftige Implementierungen dienen.

Das wertvollste Ergebnis war dabei nicht die Software selbst, sondern die Fähigkeiten, die das Unternehmen rund um ihren Einsatz aufgebaut hat. Genau darin liegt der eigentliche Wert von Forward Deployed Engineering. Es geht nicht einfach darum, Entwickler direkt beim Kunden einzusetzen. Vielmehr geht es darum, Unternehmen dauerhaft dazu zu befähigen, KI selbstständig zu implementieren und zu skalieren – weit über das Ende eines einzelnen Projekts hinaus.

Von der Implementierung zum Wettbewerbsvorteil

Diese Philosophie prägt auch die Art und Weise, wie wir bei GFT Innovation vorantreiben. Plattformen wie Wynxx sind das Ergebnis jahrelanger Erfahrung mit der Implementierung von KI in stark regulierten Umgebungen.

Aus jedem Projekt gewinnen wir Erkenntnisse, die wir im nächsten wiederverwenden können. Die Praxis verbessert die Plattform. Die Plattform beschleunigt die Umsetzung in der Praxis. Ebenso wichtig ist es, unsere technologische Unabhängigkeit zu bewahren.

Da Unternehmen zunehmend auf KI-Strategien mit mehreren Modellen setzen, besteht unsere Aufgabe nicht darin, Lösungen für einen einzelnen Technologieanbieter zu optimieren. Vielmehr helfen wir unseren Kunden dabei, die Lösung zu entwickeln, die am besten zu ihrem Geschäft und ihren Anforderungen passt – unabhängig davon, welches Modell ihr zugrunde liegt.

Mehr als nur eine neue Jobbezeichnung

Die größte Auswirkung von KI ist nicht technologischer, sondern wirtschaftlicher Natur. KI ermöglicht es erfahrenen Entwicklern, mit kleineren Teams deutlich mehr zu erreichen. Dadurch wird sich unsere Branche schrittweise davon lösen, Wert anhand von Mitarbeiterzahlen und abrechenbaren Stunden zu bemessen. Das Paradoxe daran: KI macht den einzelnen Entwickler produktiver, gleichzeitig wird die verbleibende Entwicklungsarbeit kontextabhängiger. Für die Erstellung von Code ist möglicherweise weniger Aufwand erforderlich. Dafür braucht es umso mehr Urteilsvermögen bei der Entscheidung, was entwickelt werden soll, wie autonom ein System handeln darf und wie sich sein sicherer Betrieb gewährleisten lässt.

Erfolg wird daher zunehmend an Ergebnissen, Entwicklungskapazitäten und dem konkreten Mehrwert für das Geschäft gemessen werden. Darin spiegelt sich auch die Entwicklung von FTEs zu FDEs wider: Statt lediglich die bereitgestellte Personalkapazität zu messen, rückt der konkrete Beitrag der eingesetzten Entwicklungskompetenz in den Mittelpunkt.

Langfristig glaube ich jedoch nicht, dass Forward Deployed Engineer eine spezialisierte Rollenbezeichnung bleiben wird. In einigen Jahren wird der Begriff vermutlich einfach beschreiben, was gute Enterprise Engineers ohnehin tun.

Die Branche mag glauben, eine neue Rolle entdeckt zu haben. Ich glaube vielmehr, dass sie eine alte Erkenntnis wiederentdeckt hat: Die Technologien mit dem größten transformativen Potenzial sind schon immer in enger Zusammenarbeit mit den Menschen entstanden, die sie tatsächlich nutzen.

Die Unternehmen, die im KI-Zeitalter führend sein werden, setzen nicht einfach nur bessere Modelle ein. Sie schaffen KI-zentrierte Unternehmen, in denen Entwicklung, Governance und Geschäftsstrategie zusammenspielen, um nachhaltigen geschäftlichen Mehrwert zu schaffen. Vielleicht ist Forward Deployed Engineer also einfach nur der Begriff, den wir dieser Idee heute geben.

Was ist ein „Forward Deployed Engineer“?

Ein Forward Deployed Engineer (FDE) arbeitet eng mit den Teams des Kunden zusammen, um KI in realen Unternehmensumgebungen zu implementieren. Die Rolle verbindet Softwareentwicklung, Geschäftsverständnis und Governance mit dem Ziel, die Möglichkeiten von KI in verlässliche Geschäftsergebnisse zu überführen.

Warum werden Forward Deployed Engineers immer wichtiger?

Mit zunehmender Reife von Basismodellen verlagert sich die Herausforderung von der Entwicklung von KI hin zu ihrem unternehmensweiten Einsatz. Unternehmen benötigen daher zunehmend Entwickler, die KI in komplexe Geschäftsprozesse integrieren, Governance-Anforderungen erfüllen und messbaren geschäftlichen Mehrwert schaffen können.

Wie unterscheidet sich Forward Deployed Engineering von klassischer Softwareentwicklung?

Bei der klassischen Softwareentwicklung geht es in der Regel darum, vorab definierte Anforderungen umzusetzen. Forward Deployed Engineering geht einen Schritt weiter: Entwickler arbeiten eng mit den Fachbereichen zusammen und können so KI-Systeme entwickeln, die berücksichtigen, wie ein Unternehmen arbeitet, Entscheidungen trifft und Risiken steuert.

Warum ist Forward Deployed Engineering für stark regulierte Branchen besonders wertvoll?

Branchen wie Banken, Versicherungen und Kapitalmärkte erfordern mehr als die rein technische Implementierung. Gefragt sind Entwickler, die Geschäftsprozesse, Governance, Compliance und die operativen Rahmenbedingungen verstehen. Forward Deployed Engineering vereint diese Kompetenzen und ermöglicht es Unternehmen, KI schneller einzusetzen und gleichzeitig Verlässlichkeit, Governance und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen sicherzustellen.

Wie setzt GFT Forward Deployed Engineering um?

Bei GFT bedeutet Forward Deployed Engineering, KI-Entwicklung, Branchenexpertise und Governance miteinander zu verbinden, damit Unternehmen KI sicher und skalierbar einsetzen können. Statt sich auf ein einzelnes KI-Modell oder eine bestimmte Plattform zu konzentrieren, arbeitet GFT gemeinsam mit seinen Kunden daran, KI-Lösungen zu konzipieren, zu entwickeln und zu betreiben, die auch in komplexen, regulierten Umgebungen messbaren geschäftlichen Mehrwert schaffen.

Haben Sie Fragen, wir helfen gerne.

gft-contacts-marco-santos.png

Marco Santos

Global CEO & Geschäftsführender Direktor
message
dataProtectionDeclaration