Enterprise Engineering hat schon immer so funktioniert
Für GFT bestätigt diese Entwicklung eine Erfahrung, die wir bei der Umsetzung von Technologieprojekten in stark regulierten Branchen immer wieder gemacht haben: Die eigentliche Herausforderung bestand nie darin, Technologie zu entwickeln. Entscheidend war schon immer, dass sie dort funktioniert, wo es wirklich darauf ankommt: im produktiven Einsatz.
Seit Jahrzehnten arbeiten wir eng mit globalen Banken, Versicherern und Finanzmarktinfrastrukturen zusammen. Dabei war die Implementierung nie der einfache Teil. Erfolg wurde nie an der Qualität eines Prototyps gemessen, sondern immer daran, was nach dem Go-live passiert: Werden die Systeme akzeptiert und als verlässlich wahrgenommen? Erfüllen sie die Governance-Anforderungen? Werden sie fester Bestandteil des täglichen Betriebs? Genau deshalb arbeiten unsere Entwickler seit jeher eng mit unseren Kunden zusammen. Sie setzen nicht einfach nur Vorgaben um, sondern verstehen die Geschäftsprozesse, regulatorischen Rahmenbedingungen und operativen Anforderungen.
In vielerlei Hinsicht beschreibt das, was die Branche heute als Forward Deployed Engineering bezeichnet, genau die Art und Weise, wie Enterprise Engineering in regulierten Branchen schon immer funktionieren musste.
Kompetenzen im Unternehmen aufbauen
Ein aktuelles Projekt mit einer großen europäischen Bank zeigt sehr gut, was das in der Praxis bedeutet. Unser Ziel war es, Agentic AI in komplexen Kernprozessen des Kreditrisikomanagements einzusetzen, darunter die Erstellung von Kreditvorlagen, die Modellvalidierung, Stresstestanalysen und die Bewertung von Portfoliorisiken. Schnell wurde deutlich, dass die schwierigsten Fragen weder die Modelle noch die Prompts betrafen. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Governance: Wie autonom dürfen KI-Agenten handeln? An welchen Stellen muss die menschliche Kontrolle zwingend erhalten bleiben? Und wie müssen Entscheidungen von Modellen dokumentiert werden, damit sie regulatorischen Anforderungen entsprechen?
Gemeinsam mit den Fach-, Entwicklungs- und Risikoteams der Bank haben wir nicht nur eine konfigurierbare Multi-Agenten-Plattform und intelligente Workflows entwickelt, sondern auch wiederverwendbare Governance-Frameworks, Autonomiestufen und Architekturmuster geschaffen, die als Grundlage für künftige Implementierungen dienen.
Das wertvollste Ergebnis war dabei nicht die Software selbst, sondern die Fähigkeiten, die das Unternehmen rund um ihren Einsatz aufgebaut hat. Genau darin liegt der eigentliche Wert von Forward Deployed Engineering. Es geht nicht einfach darum, Entwickler direkt beim Kunden einzusetzen. Vielmehr geht es darum, Unternehmen dauerhaft dazu zu befähigen, KI selbstständig zu implementieren und zu skalieren – weit über das Ende eines einzelnen Projekts hinaus.
Von der Implementierung zum Wettbewerbsvorteil
Diese Philosophie prägt auch die Art und Weise, wie wir bei GFT Innovation vorantreiben. Plattformen wie Wynxx sind das Ergebnis jahrelanger Erfahrung mit der Implementierung von KI in stark regulierten Umgebungen.
Aus jedem Projekt gewinnen wir Erkenntnisse, die wir im nächsten wiederverwenden können. Die Praxis verbessert die Plattform. Die Plattform beschleunigt die Umsetzung in der Praxis. Ebenso wichtig ist es, unsere technologische Unabhängigkeit zu bewahren.
Da Unternehmen zunehmend auf KI-Strategien mit mehreren Modellen setzen, besteht unsere Aufgabe nicht darin, Lösungen für einen einzelnen Technologieanbieter zu optimieren. Vielmehr helfen wir unseren Kunden dabei, die Lösung zu entwickeln, die am besten zu ihrem Geschäft und ihren Anforderungen passt – unabhängig davon, welches Modell ihr zugrunde liegt.
Mehr als nur eine neue Jobbezeichnung
Die größte Auswirkung von KI ist nicht technologischer, sondern wirtschaftlicher Natur. KI ermöglicht es erfahrenen Entwicklern, mit kleineren Teams deutlich mehr zu erreichen. Dadurch wird sich unsere Branche schrittweise davon lösen, Wert anhand von Mitarbeiterzahlen und abrechenbaren Stunden zu bemessen. Das Paradoxe daran: KI macht den einzelnen Entwickler produktiver, gleichzeitig wird die verbleibende Entwicklungsarbeit kontextabhängiger. Für die Erstellung von Code ist möglicherweise weniger Aufwand erforderlich. Dafür braucht es umso mehr Urteilsvermögen bei der Entscheidung, was entwickelt werden soll, wie autonom ein System handeln darf und wie sich sein sicherer Betrieb gewährleisten lässt.
Erfolg wird daher zunehmend an Ergebnissen, Entwicklungskapazitäten und dem konkreten Mehrwert für das Geschäft gemessen werden. Darin spiegelt sich auch die Entwicklung von FTEs zu FDEs wider: Statt lediglich die bereitgestellte Personalkapazität zu messen, rückt der konkrete Beitrag der eingesetzten Entwicklungskompetenz in den Mittelpunkt.
Langfristig glaube ich jedoch nicht, dass Forward Deployed Engineer eine spezialisierte Rollenbezeichnung bleiben wird. In einigen Jahren wird der Begriff vermutlich einfach beschreiben, was gute Enterprise Engineers ohnehin tun.
Die Branche mag glauben, eine neue Rolle entdeckt zu haben. Ich glaube vielmehr, dass sie eine alte Erkenntnis wiederentdeckt hat: Die Technologien mit dem größten transformativen Potenzial sind schon immer in enger Zusammenarbeit mit den Menschen entstanden, die sie tatsächlich nutzen.
Die Unternehmen, die im KI-Zeitalter führend sein werden, setzen nicht einfach nur bessere Modelle ein. Sie schaffen KI-zentrierte Unternehmen, in denen Entwicklung, Governance und Geschäftsstrategie zusammenspielen, um nachhaltigen geschäftlichen Mehrwert zu schaffen. Vielleicht ist Forward Deployed Engineer also einfach nur der Begriff, den wir dieser Idee heute geben.