09.06.2026

Re-Host, Refactor, oder Rewrite?

Die richtige Strategie für die Mainframe-Modernisierung finden
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Carlos Kazuo Missao
Global Head of Innovation Solutions
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AI Modernization
KI
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Re-Hosting, Refactoring und Rewriting zählen zu den zentralen Ansätzen der Legacy-, Anwendungs- und Technologie-Modernisierung in Unternehmen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Kosten, Umsetzungsgeschwindigkeit und langfristigem Nutzen. Dieser Beitrag zeigt, wann welcher Ansatz sinnvoll ist und wie sie im Rahmen einer umfassenden Legacy-Modernisierungsstrategie und Roadmap für KI-gestützte Modernisierung zusammenspielen.

Eine erfolgreiche Mainframe-Modernisierung erfordert, für jedes System den passenden Ansatz zu wählen. Unabhängig davon, ob das Ziel darin besteht, Legacy-Systeme zu modernisieren, die unternehmensweite Transformation voranzutreiben oder Initiativen zur KI-Modernisierung zu beschleunigen – Unternehmen müssen geschäftliche Prioritäten, technische Rahmenbedingungen und langfristige Transformationsziele sorgfältig miteinander in Einklang bringen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  1. Re-Hosting, Refactoring und Neuentwicklung adressieren unterschiedliche Herausforderungen und führen zu grundlegend verschiedenen Ergebnissen.
  2. Re-Hosting senkt Kosten schnell, modernisiert jedoch nicht die zugrunde liegende Architektur.
  3. Refactoring bietet einen ausgewogenen Ansatz in Bezug auf Geschwindigkeit, Kosten und langfristige Wartbarkeit.
  4. KI-gestütztes Rewriting schafft die modernste und zukunftssicherste Architektur, erfordert jedoch den höchsten Zeit- und Investitionsaufwand.
  5. Die Wahl des falschen Ansatzes kann Jahre kosten und erhebliche Investitionen binden. Eine erfolgreiche Modernisierung hängt von der Kombination und gezielten Abfolge aller drei Ansätze ab

Mainframe-Modernisierung im Vergleich: Was unterscheidet Re-Hosting, Refactoring und Neuentwicklung und Rewriting?

Re-Hosting, Refactoring und Rewriting sind die drei zentralen Ansätze der Mainframe-Modernisierung. Sie unterscheiden sich grundlegend hinsichtlich Kosten, Geschwindigkeit, Risiken und langfristiger Auswirkungen.

  • Beim Re-Hosting werden Anwendungen von proprietären Infrastrukturen auf neue Plattformen migriert, ohne den bestehenden Code zu verändern.
  • Refactoring überführt Legacy-Sprachen in moderne Programmiersprachen, während die bestehende Geschäftslogik erhalten bleibt.
  • Beim Rewriting werden Systeme mithilfe KI-gestützter Reverse-Engineering-Verfahren für eine neue Zielarchitektur neu aufgebaut.

Jeder Ansatz verfolgt ein anderes Ziel – Kostensenkung, bessere Wartbarkeit oder eine grundlegende Transformation der Architektur. Sie als austauschbar zu betrachten, gehört zu den häufigsten und kostspieligsten Fehlern. In der Modernisierung großer IT-Landschaften ergänzen sich diese Ansätze und sollten nicht isoliert betrachtet, sondern gezielt miteinander kombiniert werden.

Wann ist Re-Hosting die richtige Wahl?

Re-Hosting, oft auch als „Lift-and-Shift“ bezeichnet, ist der schnellste Weg, die Infrastrukturkosten von Mainframes zu senken.

Dabei werden Mainframe-Anwendungen mithilfe von Emulationsplattformen in Linux-basierte Enterprise-Umgebungen migriert. Der COBOL-Code bleibt unverändert, sodass das bestehende Anwendungsverhalten erhalten bleibt, während gleichzeitig proprietäre Hardware sowie preisbasierte Modelle auf Basis von MSUs und MIPS entfallen.

Dieser Ansatz eignet sich besonders, wenn Unternehmen unter akutem Kostendruck stehen, enge regulatorische Vorgaben einhalten müssen oder nur eine geringe Bereitschaft für Risiken auf Code-Ebene besteht. Solche Programme ermöglichen in der Regel eine messbare Senkung der Betriebskosten (OPEX) innerhalb von 12 bis 18 Monaten und sind mit geringeren Umsetzungsrisiken verbunden als umfassendere Transformationsinitiativen.

Der Nachteil liegt auf der Hand: Re-Hosting reduziert Kosten, nicht jedoch die Komplexität. Entwicklererlebnis, Agilität und KI-Fähigkeit der Systeme bleiben weitgehend unverändert. Die Einschränkung ist struktureller Natur: Re-Hosting senkt die Kosten, verbessert jedoch weder die Architektur noch die Entwicklerproduktivität oder die langfristige Agilität der IT-Landschaft.

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Wann ist Refactoring sinnvoller als Re-hosting?

Refactoring ermöglicht Modernisierungsvorteile, ohne die Risiken und den Aufwand einer vollständigen Neuentwicklung in Kauf nehmen zu müssen.

Als Form der Anwendungsmodernisierung wandelt automatisiertes Refactoring COBOL-, RPG- oder PL/I-Code in moderne Programmiersprachen wie Java um, während die bestehende Geschäftslogik erhalten bleibt. Das Anwendungsverhalten bleibt unverändert, doch Laufzeitumgebung, Entwicklungswerkzeuge und die erforderlichen Kompetenzen für Betrieb und Wartung verändern sich grundlegend.

Dieser Ansatz reduziert langfristige Risiken bei der Verfügbarkeit von Fachkräften, ermöglicht moderne CI/CD-Pipelines und schafft eine Grundlage für spätere Microservices-Architekturen sowie API-basierte Integrationen. Besonders effektiv ist Refactoring, wenn die bestehende Codebasis strukturell solide und gut dokumentiert ist.

Refactoring modernisiert die Programmiersprache, nicht jedoch die Architektur. Im Rahmen umfassender Softwaremodernisierungsinitiativen bildet es häufig die erste Phase einer längeren Modernisierungsreise – nicht deren Endziel.

Wann ist KI-gesteuertes Rewriting eine Option?

Rewriting, als eine Neuentwicklung, ist dann erforderlich, wenn die Herausforderung architektonischer und nicht primär wirtschaftlicher Natur ist.

Der Zustand des Technologie-Stacks und der Grad der technologischen Veralterung des Codes sind entscheidende Faktoren für diese Entscheidung. Systeme, die über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich weiterentwickelt wurden, ohne grundlegende strukturelle Anpassungen zu erfahren, akkumulieren häufig eine Komplexität, die Innovationen ausbremst. Dies erschwert zunehmend die Einführung neuer Produkte, die Gewinnung geschäftsrelevanter Erkenntnisse aus Transaktionsdaten, die Anpassung von Geschäftsregeln oder die effiziente Umsetzung selbst kleinerer Änderungen.

Beim KI-gestützten Rewriting wird die Geschäftslogik aus Legacy-Systemen extrahiert und in einer Zielarchitektur neu implementiert, die auf moderne Betriebsmodelle, Resilienz und den Einsatz von KI ausgelegt ist. Das Ergebnis ist kein konvertierter Code, sondern ein neues System mit gleichwertiger Funktionalität auf einer modernen technologischen Grundlage.

Eine Neuentwicklung ist besonders dann sinnvoll, wenn Codebasen stark degradiert, unzureichend dokumentiert oder mit der Zielarchitektur nicht kompatibel sind. Sie bietet das nachhaltigste Ergebnis aus langfristiger Perspektive, erfordert jedoch ein mehrjähriges Engagement, eine starke Governance und höhere Anfangsinvestitionen.

Wie sollten Unternehmen zwischen Re-Hosting, Refactoring und Rewriting entscheiden?

Die richtige Strategie ergibt sich aus einer objektiven Bewertung der Ausgangssituation – nicht aus persönlichen Präferenzen.
Die folgenden drei Fragen helfen bei der Entscheidungsfindung:

  • Was ist das primäre Ziel: Kostensenkung, eine tiefgreifende Modernisierung oder die Schaffung von KI-Fähigkeit?
  • In welchem Zustand befindet sich die bestehende Codebasis tatsächlich?
  • Welcher zeitliche Rahmen steht für das Modernisierungsprogramm zur Verfügung?
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Warum ist Modernisierung keine einmalige Entscheidung?

Modernisierung bedeutet nicht, sich für einen einzigen Ansatz zu entscheiden. Entscheidend ist vielmehr, für jedes System den passenden Ansatz zu wählen und die einzelnen Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge umzusetzen.

Umfangreiche Anwendungslandschaften erfordern in der Regel:

  • Re-Hosting, um kurzfristig Infrastrukturkosten zu senken
  • Refactoring für stabile und langfristig wartbare Systeme
  • Rewriting für komplexe oder strategisch besonders wichtige Plattformen

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, zwischen den Ansätzen zu wählen, sondern sie über das gesamte Anwendungsportfolio hinweg gezielt zu orchestrieren. Davon hängt ab, ob die Modernisierung an Fahrt gewinnt oder ins Stocken gerät.

Starten Sie noch heute Ihre KI-Modernisierung.

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Carlos Kazuo Missao

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