Warum stellt DORA Legacy-Systeme vor architektonische Herausforderungen?
DORA (Digital Operational Resilience Act) stellt Finanzinstitute vor Anforderungen, die viele Legacy-Architekturen nur schwer erfüllen können.
DORA ist längst mehr als ein Compliance-Projekt für die Zukunft. Die Verordnung ist bereits in Kraft und rückt operative Resilienz, Transparenz sowie wirksame Kontrollmechanismen in den Mittelpunkt. Viele Legacy-Umgebungen erfüllen zwar die Anforderungen an die Dokumentation, stoßen bei den zugrunde liegenden architektonischen Voraussetzungen jedoch häufig an ihre Grenzen.
Batchbasierte Prozesse, fehlende Transparenz bei Systemabhängigkeiten und die Bindung an einzelne Plattformanbieter schaffen Herausforderungen, die sich nicht allein durch Prozessverbesserungen lösen lassen.
DORA ist nicht nur eine Compliance-Herausforderung. Sie ist ein Impulsgeber für die Modernisierung.
Warum ist die Inventarisierung von IKT-Assets in Legacy-Umgebungen so anspruchsvoll?
In den meisten Legacy-Umgebungen sind kritische Abhängigkeiten in den Code und nicht in die Dokumentation eingebettet.
DORA fordert ein jederzeit aktuelles und nachvollziehbares Verzeichnis aller IKT-Assets sowie ihrer Abhängigkeiten. In vielen Mainframe-Umgebungen sind diese Zusammenhänge jedoch lediglich in Batch-Abläufen, Job-Schedulern oder im Wissen langjähriger Entwicklerinnen und Entwickler verankert.
Die automatisierte Erfassung von Abhängigkeiten ist zunehmend der einzige verlässliche Weg, diese Anforderung zu erfüllen. Gleichzeitig bildet sie die Grundlage für jede realistische Modernisierungsstrategie.
Warum geraten Legacy-Systeme bei der Echtzeit-Meldung von Vorfällen an ihre Grenzen?
Legacy-Architekturen erkennen Vorfälle häufig erst mit Verzögerung – oftmals erst nach Abschluss von Batch-Zyklen.
DORA verlangt, dass schwerwiegende IKT-Vorfälle innerhalb kurzer Zeit erkannt und gemeldet werden. Batchbasierte Systeme liefern die dafür erforderlichen Informationen jedoch oft erst nach Abschluss geplanter Verarbeitungsläufe. Das erschwert eine schnelle Reaktion erheblich – oder macht sie im Ernstfall sogar unmöglich.
Moderne Konzepte wie Observability, Echtzeit-Monitoring, Tracing und Alerting lassen sich nicht einfach nachträglich in Architekturen integrieren, die nie dafür ausgelegt wurden. Dabei handelt es sich nicht um eine Frage der Governance, sondern um eine grundlegende Einschränkung der Systemarchitektur.
Dies erklärt auch, warum viele KI-Initiativen in Legacy-Umgebungen scheitern: Ohne Echtzeitdaten und moderne Observability-Lösungen fehlen die notwendigen Grundlagen. Erst die Modernisierung der bestehenden Systemlandschaft schafft die Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz von KI.
Wie verändert DORA die Risikobewertung von Mainframe-Abhängigkeiten?
Lange Zeit akzeptierte Abhängigkeiten werden durch DORA zunehmend als Konzentrationsrisiken betrachtet.
DORA verpflichtet Unternehmen dazu, Konzentrationsrisiken im Zusammenhang mit IKT-Drittdienstleistern zu identifizieren und aktiv zu steuern. Kernsysteme, die von:
- einem einzigen Hardware-Anbieter
- Middleware Stack
- oder einem zunehmend knappen Angebot an Fachkräften abhängig sind,
fallen nun direkt in den Aufsichtsbereich
DORA schreibt keinen sofortigen Ausstieg aus Mainframe-Systemen vor. Unternehmen müssen jedoch nachweisen, dass sie die damit verbundenen Risiken aktiv steuern und langfristig reduzieren.
Modernisierung ist damit nicht länger nur eine Frage der Kostenoptimierung, sondern wird zunehmend zu einer regulatorischen Notwendigkeit.