In der oben dargestellten Abbildung widmen sich die ersten beiden Schritte der Erkundung des Problemraums: dem „Verstehen des Geschäftsproblems“ und dem „Verstehen des Kontexts“.
Beim Verstehen des Geschäftsproblems geht es darum, das zugrunde liegende Problem so umfassend zu durchdringen, bis man es wirklich in allen Facetten verstanden hat.
In der Regel beginnt dieser Prozess auf einer eher strategischen Ebene – gemeinsam mit den zentralen Stakeholdern im Unternehmen, also meist mit denjenigen, die das Budget verantworten und das Projekt initiieren. Darauf aufbauend sollte das Verständnis schrittweise vertieft werden: durch Gespräche mit den späteren Nutzerinnen und Nutzern der Lösung sowie mit relevanten Fachpersonen. Ziel ist es, die unterschiedlichen Schmerzpunkte und Perspektiven innerhalb des Unternehmens zu identifizieren.
Diese Erkenntnisse werden anschließend mit einem erweiterten Kreis von Stakeholdern gespiegelt und validiert. Gleichzeitig werden erste Vorstellungen eines möglichen „Soll-Zustands“ gesammelt. Eine hilfreiche Frage an die Beteiligten kann dabei sein: „Wie sähe die ideale Lösung aus, wenn Sie einen Zauberstab hätten?“
Wichtig ist, Aussagen nicht ungeprüft zu übernehmen. Eine bewährte Herangehensweise besteht darin, sich an ethnografischen Methoden zu orientieren und zu beobachten, was im Unternehmensalltag tatsächlich geschieht. Das hilft, implizite Annahmen und mögliche Verzerrungen aufzudecken, nachdem die unterschiedlichen Perspektiven zusammengetragen wurden.
Das Geschäftsproblem aus verschiedenen geschäftlichen Blickwinkeln zu verstehen, ist jedoch nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso wichtig ist es, die verfügbaren Daten sowie technische und systemseitige Einschränkungen zu analysieren – idealerweise parallel dazu. Auf grundlegender Ebene bedeutet das: Welche Daten stehen tatsächlich zur Verfügung? Und wie sehen die bestehenden Systeme aus, in die sich die geplante Lösung integrieren muss?
Während diese Informationen gesammelt und ausgewertet werden, sollte bereits begonnen werden, die gewonnenen Erkenntnisse in einen ersten Lösungsentwurf zu überführen. In dieser Phase stellen sich unter anderem folgende Fragen:
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Wie lassen sich einzelne Komponenten mit bestehenden oder allgemein verfügbaren (generativen) KI-Modellen bzw. -Ansätzen umsetzen?
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Welche zusätzliche Verarbeitung oder Logik ist erforderlich, um die Ergebnisse der Algorithmen tatsächlich nutzbar zu machen?
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Wie können unterschiedliche Datenquellen oder Modellausgaben sinnvoll kombiniert werden, um die Qualität der Lösung zu erhöhen?
Mit zunehmendem Verständnis des Kontexts kann es außerdem sinnvoll sein, ausgewählte Geschäftsvertreter gezielt zu ihrer praktischen Arbeitsweise zu befragen, etwa:
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Welche Annahmen treffen Fachkräfte in ihrer Rolle bei der Durchführung entsprechender Aufgaben?
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Gibt es Faustregeln, die erfahrene Mitarbeitende in der Praxis anwenden?
Die Entwicklung der Lösung ist dabei nahezu immer ein iterativer Prozess. Neue Erkenntnisse führen zu Anpassungen und Weiterentwicklungen. Dennoch ist es ratsam, zentrale Stakeholder möglichst früh einzubinden. So lassen sich Missverständnisse frühzeitig erkennen und wertvolles – konstruktives oder auch kritisches – Feedback einholen. Erst wenn ein konkreter Entwurf vorliegt, der geteilt werden kann, werden praktische Rückmeldungen und offensichtliche Schwachstellen wirklich sichtbar.
In weiteren Iterationsschritten und mit zunehmender Reife der Lösung folgt schließlich ein formaler Überprüfungsschritt („Validierung des Lösungswerts“). Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, welchen konkreten Mehrwert die vorgeschlagene Lösung tatsächlich bietet.